ChatGPT-Quellen prüfen: von der Literaturangabe zum Original
Eine überzeugend formulierte Quellenangabe ist noch kein Nachweis. Prüfen Sie zuerst, ob die Publikation existiert und die Metadaten stimmen. Lesen Sie danach im Original nach, ob es die Aussage in Ihrer Arbeit tatsächlich stützt.
Welche Fehler können in KI-Quellen vorkommen?
Eine Quelle kann vollständig erfunden sein. Sie kann aber auch auf einer echten Publikation beruhen und ein falsches Jahr, einen veränderten Titel oder die DOI eines anderen Artikels enthalten. Beide Fälle erfordern eine Kontrolle ausserhalb des Chats. Den Chatbot dieselbe Angabe nochmals bestätigen zu lassen, liefert keinen unabhängigen Beleg.
Eine Studie von Walters und Wilder aus dem Jahr 2023 untersuchte Literaturangaben aus mit GPT-3.5 und GPT-4 erzeugten Texten. Die Autoren fanden sowohl erfundene Publikationen als auch Fehler bei realen Quellen. Die Ergebnisse betreffen die damaligen Modelle und die untersuchte Stichprobe; daraus lässt sich keine Fehlerquote für heutige ChatGPT-Versionen ableiten.
So prüfen Sie eine Quelle Schritt für Schritt
1. Die ursprüngliche Angabe festhalten
Kopieren Sie Titel, Autor:innen, Jahr, Zeitschrift oder Verlag und vorhandene DOI oder ISBN. Bewahren Sie auch den Satz auf, für den die Quelle als Beleg dienen soll. So bleiben später bibliografische Korrekturen und die Prüfung des Inhalts nachvollziehbar.
2. Einen unabhängigen Originaldatensatz finden
Öffnen Sie eine DOI über doi.org. Vergleichen Sie anschliessend die angezeigte Publikation mit der Literaturangabe. Eine funktionierende DOI allein genügt nicht: Sie könnte zu einem anderen Werk führen. Die DOI Foundation erläutert die Funktion dieses Identifikators.
Fehlt eine DOI, suchen Sie nach dem exakten Titel und einem Autorennamen. Nutzen Sie für Artikel einen Forschungsindex, für Bücher einen Bibliothekskatalog und für Preprints das passende Repositorium. Unser Datenbankvergleich hilft bei der Auswahl.
3. Metadaten gemeinsam abgleichen
Stimmen Titel, Autorenschaft, Jahr und Publikationsorgan überein? Prüfen Sie bei Büchern zusätzlich die Ausgabe und bei Artikeln Band, Heft und Seiten oder Artikelnummer. Ein anderes Jahr kann beispielsweise auf eine Online-Vorabfassung oder eine spätere Ausgabe hinweisen. Ändern Sie die Angabe erst, wenn klar ist, welche Version Sie tatsächlich verwendet haben.
4. Aussage und Fundstelle im Volltext kontrollieren
Lesen Sie die relevante Passage einschliesslich ihres Zusammenhangs. Passt die untersuchte Gruppe, Methode und Fragestellung zu Ihrem Satz? Enthält das Paper eine eigene Erkenntnis oder zitiert es an dieser Stelle eine andere Quelle? Notieren Sie die passende Seitenzahl oder Abschnittsangabe nach den Vorgaben Ihrer Hochschule. Ein bibliografischer Treffer beantwortet diese inhaltlichen Fragen noch nicht.
Beispiel: echte DOI, absichtlich falsches Jahr
Für dieses Lernbeispiel verändern wir nur das Jahr einer realen Publikation. Es handelt sich um einen konstruierten Fehler, nicht um eine dokumentierte ChatGPT-Ausgabe oder einen Leistungstest von Veracite.
| Feld | Beispielangabe | Originaldatensatz |
|---|---|---|
| Autor:innen | Walters & Wilder | William H. Walters & Esther Isabelle Wilder |
| Jahr | 2024 – absichtlich verändert | 2023 |
| Zeitschrift | Scientific Reports | Scientific Reports, Band 13, Artikel 14045 |
| DOI | 10.1038/s41598-023-41032-5 | |
Der Befund lautet: Die Publikation existiert, das Jahr der Beispielangabe weicht ab. Die Quelle deshalb als erfunden zu bezeichnen wäre falsch. Ob sie Ihren konkreten Satz belegt, müssen Sie weiterhin anhand des Textes prüfen.
Was tun, wenn sich keine Quelle finden lässt?
Prüfen Sie Schreibvarianten, suchen Sie im Verlagskatalog und versuchen Sie eine weitere fachlich passende Datenbank. Kataloglücken, neue Veröffentlichungen oder eine fehlerhafte Angabe können die Suche erschweren. Ein technischer Ausfall einer Datenbank ist ebenfalls kein Beleg für eine erfundene Quelle.
Lässt sich die Publikation nicht unabhängig belegen, übernehmen Sie sie nicht ungeprüft. Recherchieren Sie einen belegbaren Ersatz und lesen Sie ihn selbst. Ersetzen Sie eine ungeklärte Quelle nicht bloss durch eine weitere plausibel klingende Empfehlung aus dem Chat.
Wie Veracite bei der Vorprüfung hilft
Veracite gleicht Literaturangaben mit bibliografischen Datenbanken ab und zeigt Treffer, Metadatenabweichungen und offene Befunde mit Quellenlinks. Das hilft beim Sortieren und Dokumentieren eines Literaturverzeichnisses. Die inhaltliche Prüfung einer Aussage im Paper und die Kontrolle zitierter Seitenzahlen bleiben ein eigener Arbeitsschritt.
Den vollständigen Ablauf beschreibt unser RatgeberLiteraturverzeichnis prüfen.
Originalquellen
So sieht ein Literaturprüfbericht aus
Sehen Sie im Beispielbericht, wie Datensätze, Abweichungen und offene Befunde dargestellt werden.